Portfolio Hund & Katze

Irischer Wolfshund Bailey, 1 Jahr

eitriger Nasenausfluß, initial linksseitig, später beidseitig, Allgemeinbefinden ungestört

CT Studie vom Juli 2014 zu diesem Zeitpunkt einseitiger Nasenausfluß

CT Studie vom März 2015 zu diesem Zeitpunkt beidseitiger Nasenausfluß

Mit freundlicher Genehmigung Kleintierklinik Greven. Dres. Böhmer, Cordes, Möller und Wienker

Diagnose

CT Befund

Die Turbinalia stellen sich in beiden Nasenhöhlen hochgradig reduziert dar. Zwischen den vorhandenen Turbinalia stellt sich gering- bis mittelgradig zum Weichteilgewebe isodenses Material dar. Die linke Stirnhöhle ist zur etwa 50% mit zum Weichteilgewebe isodensem Material gefüllt, welches einen horizontalen Spiegel bildet (Videosequenzen wurden horizontal gespiegelt, Lagerung während CT auf dem Rücken). Es zeigt sich zudem eine zirkuläre Verdickung der Schleimhaut der linken Stirnhöhle. Die Befunde sind zwischen den beiden CT Untersuchungen nahezu unverändert.

CT Diagnose

  • Bilaterale Reduktion Turbinalia Nase
  • Weichteilmaterial zwischen den Turbinalia bds.
  • Sinusitis linker Sinus frontalis mit Flüssigkeitsansammlung

Diskussion

Die Befunde von Bailey passen zu einem für den Irischen Wolfshund beschriebenen Rhinitis-Bronchopneumonie Syndrom. Die Ätiologie ist dabei nicht genau geklärt. Diskutiert werden eine immun-mediierte Ursache, oder eine primäre ziliäre Dyskinesie. Eine hereditäre Basis wird angenommen. Betroffene Hunde zeigen mehr oder weniger von Geburt einen transienten oder persistierenden mukopurulenten Nasenausfluss unterschiedlichen Schweregrades. Die Reduktion der Turbinalia ist im vorliegenden Fall vermutlich Folge einer kongenitalen Hypoplasie der Conchen. Neben der Rhinitis kann es bei der Erkrankung zudem zu Schüben von Bronchopneumonien kommen (vermutlich infolge einer gestörten Zilienfunktion und damit erhöhten Anfälligkeit gegenüber Infektionen).

Es ist keine Progression der Veränderungen innerhalb eines Jahres erkennbar. Innerhalb des Sinus frontalis ist kein Granulom vorhanden. Die paranasalen Knochen stellen sich ohne besonderen Befund dar (keine permeativen Osteolysen). Eine mykotische Rhinitis ist daher nicht wahrscheinlich. Zudem ist der Hund sehr jung, was eine mykotische Rhinitis ebenfalls wenig wahrscheinlich macht.

Empfehlung

Keine weiteren diagnostischen Schritte notwendig.

Normale Vergleichsstudie

Nicht jede Reduktion der Turbinalia ist Folge einer destruktiven Rhinitis. Möglicherweise ist die Reduktion der Turbinalia die Ursache für die chronischen Rhinitis. Denken Sie auch an kongenitale Erkrankungen.

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Mischling Lucky, 9 Jahre

Schluckprobleme, Atemnot

Bilder mit freundlicher Genehmigung Tierklinik Hofheim. Dres Kessler, Kosfeld, Tassani-Prell, Bessmann, Rupp, Delfs, Schmohl, von Klopmann

Diagnose

Röntgenbefund

Normaler Ernährungszustand. Gute Inspiration.

Ausgehend von den Wirbelkörperendplatten stellen sich bei T4/5 und T12/13 geringe knöcherne Zubildunge dar. An einer der Scapulae ist am Tub. infraglenoidale eine kleine osteophytäre Zubildung sichtbar. Das abdominale Detail ist erhalten.

Die ventrale Begrenzung des cranialen Mediastinum wölbt sich geringgradig konvex nach ventral vor. Insgesamt erscheint die Dichte im Bereich des cranialen Mediastinums erhöht. Die Trachea verläuft nahezu parallel zur Wirbelsäule und zeigt auf Höhe des 3. bis 4. Intercostalraums eine dezente Biegung nach dorsal. Auf Höhe des 2. Sternebrae ist eine schlecht begrenzte weichteildichte Verschattung sichtbar (sogenanntes „extrapleural sign“).

Die Lunge weist eine generalisiert, hochgradig erhöhte Dichte auf. Zwischen Herzbasis und Zwerchfell ist die Lunge nahezu vollständig weichteildicht verschattet und die Zwerchfellkontur ist nur noch andeutungsweise nachvollziehbar. Bei genauer Betrachtung sind jedoch noch weiße, lineare Strukturen (Gefäße) abgrenzbar. Die Dichte der übrigen Lunge ist weniger stark erhöht und es ist eine schlecht begrenzte, netzartige Verdichtung vorhanden. Über das gesamte Lungenfeld sind multiple, teilweise unscharf begrenzte Knoten unterschiedlicher Größe sichtbar.

Röntgendiagnose

  • Hgr. interstitielle Lungenzeichnung mit multiplen Knoten (retikulonodulär)
  • Ventrale Konvexität craniales Mediastinum
  • Extrapleurale, weichteildichte Struktur dorsal des 2. Sternebrae
  • Spondylosen
  • Ggr. Arthrose Schultergelenk

Diskussion

Die Befunde der Lunge sprechen für eine Neoplasie (primär vs. sekundär).

Die Veränderungen des cranialen Mediastinums sind verdächtig für das Vorliegen einer Raumforderung im craniodorsalen Mediastinum. Differentialdiagnostisch kommen für craniodorsale, mediastinale Raumforderungen eine Lymphadenomegalie der cranialen, mediastinalen Lymphknoten, eine Pathologie ausgehend vom Ösophagus (Neoplasie, Granulom, …) sowie mediastinale Hämatome/Blutungen, Abszesse, Granulome oder Entzündungen in Betracht (z.B. nach perforierender Verletzung des Ösophagus, Nokardiose, …).

Bei der Struktur dorsal des zweiten Sternebrae besteht der Verdacht auf einen vergrösserten, sternalen Lymphknoten.

Die hgr. Verdichtung caudodorsal des Herzens kann Folge der hgr. Verdichtung der Lunge sein, differentialdiagnostisch kann basierend auf der lateralen Aufnahme, eine Raumforderung im caudalen Mediastinum, z.B. ausgehend vom Ösophagus, eine Hämatom, eine Zellulitis, ein Abszess oder ein Granulome nicht sicher ausgeschlossen werden. Zur Unterscheidung ist eine ventrodorsale Ebene notwendig.

In Zusammenhang mit den Lungenbefunden ist eine Neoplasie mit Metastasierung und sekundärer Lymphadenomegalie am wahrscheinlichsten.

Empfehlung

  • linkslaterale und ventrodorsale Röntgenaufnahme und/ oder
  • computertomographische (CT) Untersuchung des Thorax

Outcome

Bei Lucky lag ein Karzinom im Bereich des Kehlkopfes vor.

Computertomographisch bestätigt sich die hgr. interstitielle Lungenzeichnung mit multiplen Knoten. Die sternalen Lymphknoten sowie die cranialen, mediastinalen Lymphknoten waren hgr. vergrössert. Caudal des Herzen waren keine weiteren Raumforderungen sichtbar, so dass die Verdichtung zwischen Herzsilhouette und Zwerchfell vermutlich Folge einer Überlagerung mit der veränderten Lunge ist.

Die finale Diagnose lautet: Kehlkopfkarzinom mit Lungen- und Lymphknotenmetastasen.

Eine hochgradige interstitielle Lungenzeichnung kann auf den ersten Blick eine alveoläre Lungenzeichnung vortäuschen. Wichtig ist es sich nicht vom ersten Eindruck in die Irre führen zu lassen. Bei genauer Betrachtung sind meistens noch Gefäße in dem hochgradig verdichteten Lungenanteil sichtbar.

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